Kategorie: Die Wanderung

Alle Berichte zu unserer Wanderung in chronologischer Reihenfolge

Es geht los: Vom Feriendorf nach Manderscheid

Der erste Tag
ist der Tag der wunderbaren Gerüche.
Der Regen hat die Natur geweckt und sauber gewaschen und die recht schwüle Luft sorgt ihrerseits für üppiges und wildes Treiben der Gräser, Blumen, Bäume, Pilze- und, und, und.
Immer wieder duftet es grün oder süß, erdig oder holzig und auch mal morchelig.
Besonders die süßen Blumendüfte haben es uns angetan, und auch wenn wir nicht gleich herausfinden, welche Pflanze uns da derart olfaktorisch beglückt, so ist unser Gefühl hier auf bestem Weg zu sein übereinstimmend froh.

Es geht los

Am Holzmaar bei Gillenfeld

Die Lieser


Die Lieser an der Urpferdchen-Brücke vor Manderscheid

Die Manderscheider Oberburg

Zweiter Tag: Regenetappe von Manderscheid nach Meisburg

Die heutige Etappe sollte nur gut 15 km lang werden. Letztendlich waren es 22 mit 581 Höhenmetern, von denen wir allerdings nur 18 km wanderten, bis wir völlig durchnässt an der Binsenmühle – ein paar Kilometer vor Meisburg – strandeten. Moni erzählt unten noch einiges über diese denkwürdige Wanderung.

Die kleine Kyll zwischen Manderscheid und dem Mosenberg

Blick ins Johannistal vor dem Mosenberg

Die kleine Quelle im Johannistal versorgte früher Manderscheid mit Wasser

Moni auf dem Gipfel des Mosenberg 517 m über NN

Der Windsborner Kratersee auf dem Mosenberg

Abschluss heute beim ‘Langen Heimann’ in Meisburg

Regen und noch mehr Regen
Und was zuviel is ist zuviel – zumindest für uns zwei Wandersleut.
Habe das Gefühl, daß auf Jeden!! von uns heute ca. 1 Million (natürlich KEINE Trierer Übertreibung) Liter Wasser runter kamen.
Und irgendwann is dann aber auch alles nass und klamm.
Auch die Wanderschuhe hats erwischt – aber “Den langen Heiman” hat extra für uns Feuer gemacht und jetzt können sie bis morgen trocknen.

Geht doch nix über einen zuvorkommenden Zimmerwirt.

Dritter Tag: Land unter zwischen Meisburg und Kyllburg

Es kann nur besser werden. Gestern schon kräftig nass geworden, überlegten wir hin und her, ob wir überhaupt losgehen oder uns einen ‘Lift’ besorgen sollen. Der Wetterbericht prognostizierte stärkere Regenfälle erst ab ca. 14 Uhr, da sollten die 15 km von Meisburg über Seinsfeld nach Kyllburg doch machbar sein. Dachten wir.
Entweder hat der Wetterdienst eine andere Zeitrechnung oder er meinte eine andere Gegend. Jedenfalls setzte ab 10 Uhr Starkregen ein – im Wetterbericht als leichter bis mäßiger Regen bezeichnet. Weit und breit keine Schutzhütte oder eine sonstige Unterstellmöglichkeit. Also Augen auf und durch. Bis Seinsfeld kamen wir in rekordverdächtiger Zeit für die 10 km.
Wie es weiterging, schreibt Moni weiter unten.

Unklar, ob es diesen Bach auch bei anderer Wetterlage gibt

Der Wald erschien uns bei Regen und Nebel fast geisterhaft

Der Eisenbahntunnel in Kyllburg. Vom Hoteleingang aufgenommen. Fotografieren ohne Überdachung ist seit ca. 10 Uhr nicht mehr möglich gewesen

Seinsfeld- unter Wasser.
Wir retten uns in die Kirche und tropfen da, auf einer Kirchenbank sitzend, gemeinsam vor uns hin. Schon wieder bis auf die Haut durchnässt sehen wir keine andere Möglichkeit, als mehr trotzig, als tapfer weiter zu gehen und auch noch unsre Knochen zu wässern.
Aber wenn die Not am Größten:
Eine freundliche Eifelerin wartet an der nächsten Ecke im Auto auf ihre Kinder, die in einigen Minuten mit dem Kindergartenbus gebracht werden sollen. Und so ist es. Die Kinder steigen aus und gemeinsam wird der Busfahrer erweicht eine Zusatztour einzulegen. Wir dürfen einsteigen und los gehts. Ein paar Kids werden noch im nächsten Dorf raus gelassen und weiter geht die Fahrt NUR MIT UND FÜR UNS 4km bis Kyllburg!
Dieser unglaublich nette Busfahrer verweigert dann zum Schluss auch noch strikt unsren Danke-Obulus, er bittet stattdessen beim nächsten Bierchen den ersten Schluck auf ihn zu nehmen. Keine Frage: Versprochen!
Es gibt sie also doch noch: Deutsche, die sich nicht ganz so regelkonform, sondern erstmal menschlich zeigen. Hurraaaah!!!

Vierter Tag: Es geht nicht weiter – Brücken über die Kyll unpassierbar

Auf den Ruf “Fährmann hol über” kommt heute Morgen keine Reaktion. Wie in der gesamten Vulkaneifel herrscht extreme Hochwasserlage. Alle Kyllbrücken gesperrt, also Planänderung. Ein weiterer Tag in Kyllburg.

Aktualisierung später. 😁

Erst mal ein gemütlicher Cafe`und abwarten, was geht…

Bahnstrecke Köln – Trier

Hochwasserfreie Stiftsstraße in Kyllburg

Stiftskirche in Kyllburg

Unsere nächsten Unterkünfte in Wissmansdorf und Mettendorf wurden wg. Hochwasser abgesagt. Nun heißt das nächste Ziel Holsthum. Das ist von hier nicht in einem Tag wanderbar. Neuer Plan: Für morgen Taxi bis Bitburg besorgt und dann die 22 km von Bitburg nach Holsthum gewandert.

Fünfter Tag: Von Bitburg nach Holsthum

Nach der Zwangspause in Kyllburg und der – dem Hochwasser geschuldeten – Absage unserer zwei nächsten Unterkünfte müssen wir heute nach Holsthum. Für eine Tagesetappe ist die Strecke von 44 km zu lang. Also entscheiden wir uns in Bitburg zu starten. Von dort bis Holsthum ist die Etappe mit 26 km und 610 Höhenmetern immer noch anspruchsvoll, aber machbar.

Mit der Bahn ist aus Kyllburg kein Fortkommen möglich

Blick auf Stahl bei Bitburg

Kontraste

Die Südeifel in sattem Grün

Die Prüm am Tag nach der Verheerung kleinerer Ortschaften im Tal

Kapelle bei Oberweis

Heidelandschaft im Naturpark Südeifel

Spuren von Wildkatzen? im Naturpark Südeifel

Angekommen nach 26 km und 610 Höhenmetern!

Sechster Tag: Überlegen, was noch geht…

Nachdem auch unsere Buchung in Echternach wegen des Hochwassers storniert wurde und in Kordel und auch Ralingen von einem Jahrtausend-Hochwasser gesprochen wird, gehen uns die Etappenziele aus.

Wie also kann es weitergehen? Diese Frage stellt sich uns nun und wir haben derzeit noch keine Antwort. Unsere Planung ist ja sowieso weitgehend Makulatur, sind wir wieder mal außerplanmäßig drei Nächte in Holsthum – genügend Zeit darüber nachzusinnen, welche Möglichkeiten uns außer Abbruch bleiben.

Wir werden sicher eine Alternative finden und arbeiten daran. 🤔

Lest unten, was Moni über unsere Lage und die der Menschen hier an Kyll, Prüm und Sauer schreibt.

Mit dieser Aussicht wohnen wir die kommenden zwei Tage

Liebe Freundinnen und Freunde
Wir möchten uns an dieser Stelle aufs allerherzlichste für Euren Zuspruch und Eure guten Gedanken und Wünsche auf dieser unserer doch unvorhersehbar schwierigen Route bedanken. Wir hatten angesichts der Katastrophe sehr viel Glück und konnten bis heute und können voraussichtlich auch in den nächsten Tagen immer wieder einen sicheren Weg und eine trockene, vom Hochwasser (fast) verschonte Unterkunft finden. Macht Euch bitte keine Sorgen mehr um uns – es geht uns gut, wir lavieren uns mehr oder weniger spontan durch ‘Zeit und Raum’.

Es ist erschütternd zu sehen wie die Menschen durch die Überflutungen gebeutelt sind und wie viele Existenzen zerstört wurden. Die Nachbarschaftshilfe und natürlich die Feuerwehr bilden aber immer wieder eine starke Kraft um die ärgste Not zu lindern. Hoffentlich geben unsere Politiker wieder nicht nur betroffenes Gelaber von sich, sondern organisieren eine schnelle, effektive Hilfe für alle, die dies brauchen. (Die Hoffnung stirbt zuletzt.)

Wir wünschen allen Menschen hier, die uns trotz der Katastrophe mit solch unglaublicher Freundlichkeit begegnen, genug Kraft und Geld zum Wiederaufbau von Zuversicht und Bleibe.
Vielleicht werden unsere Berichte etwas knapper, machmal fehlen einem hier die Worte – aber wir bleiben in Verbindung.

Siebter Tag: Zwangspause und Neuplanung

Zweiter Tag in Holsthum, ganz in der Nähe der Irreler Stromschnellen, mit etwas Übertreibung auch Irreler Wasserfälle genannt – da wollte ich (Herbert) immer schon mal hin. Und in die Teufelsschlucht, vis-à-vis der Wasserfälle. Ihr seht am oberen Bild, wie es an den Stromschnellen aussieht. Beide Uferwege – die auch weiter zur Teufelsschlucht führen – unterspült und streckenweise abgerutscht. Also unbegehbar und gesperrt. Die Holzbrücke über die Prüm verschwunden.

Also den Tag in Holsthum verbracht, einem sonst idyllischen Ort an der Prüm. Im Oberdorf ist nichts von der Flutkatasrphe zu sehen. Im Unterdorf waren die Folgen der Überschwemmung von weitem sichtbar. Um uns nicht am einsetzenden Katastrophen-Tourismus zu beteiligen, machten wir einen Rundgang durchs Oberdorf, aßen etwas im ‘Restaurant Oberbillig’ und verzogen uns wieder ins Hotel, wo wir die neue Route von Holsthum über Prümzurlay und Irrel nach Ralingen festlegten, immer einige Höhenmeter über der Sauer.

Blick aus dem Hotelfenster über die Prüm

Holsthum, im Oberdorf

Moni sucht Abkühlung im Brunnen. Bisher kam die immer von oben!

Achter Tag: Unsere Situation normalisiert sich (fast)

Fast normal verlief unser heutiger Wandertag. Bis auf den Zielort:Nicht in Echternach sind wir heute gelandet, sondern schon in Ralingen, wo wir eigentlich erst morgen sein wollten. In Echternach hatte uns das Hotel aus den bekannten Gründen abgesagt. Also zwei Etappen zusammengelegt – Allerdings ohne Teufelsschlucht und Irreler Wasserfälle (gesperrt). So war die Etappe machbar.

Immer noch war die Verwüstung an Brücken und Bauwerken, die die Flut angericht hatte,sichtbar. Die Sauer jedoch floss friedlich in einem breiteren Bett an uns vorbei. In Ralingen und dem gegenüber in Luxenburg liegenden Rosport wirkte alles schon wieder entspannt. Das half auch uns, diesen Wandertag erstmals freudig zu genießen, ohne von einem Katastrophengebiet ins andere zu gelangen.

Wir lassen Holstum hinter uns und erreichen Prümzurlay

Ein Stückweit wanderten wir auf dem Jakobsweg

Ohne Pausen geht es nicht…

Kleiner Mann mit großer Brücke

An der Farbe der Sauer sind die zurückliegenden Tage noch erkennbar

Etwas versponnen die Zwei

Neunter Tag: Schneewittchen hätte ihn verschmäht…

Unsere Planung ist seit der Flutkatastrophe gehörig durcheinander gewirbelt – ein Nichts hinsichtlich der vielen Opfer und der unzähligen Existenzen, die zerstört wurden.

Dennoch beschäftigen wir uns täglich damit, wie es weitergehen kann. Abbrechen wollen wir nicht – obwohl auch diese Option im Raum stand. Für uns heißt das: Improvisieren und von Tag zu Tag denken. Heute verbringen wir den Tag in Ralingen unmittelbar an der luxemburgischen Grenze und schauen uns in Rosport (Luxemburg) um.

Wer sich über den Beitragstitel wundert: Lest weiter unten, was Moni schreibt…

Rettungsmittel im Park von Rosport (Luxemburg) an der Sauer

Blick von Rosport (Luxemburg) auf unser Hotel in Ralingen

Brücke über die Sauer mit der ehemaligen deutschen Zollstation

Moni läßt es sich gutgehen im Tudor-Park in Rosport

In Schloss Tudor in Rosport, der ehemaligen Residenz von Henri Owen Tudor, dem Erfinder der Bleiakkumulatoren, ist heute ein interaktives Museum untergebracht

Holzäpfel bereit für den Viez

Moni meint: Schneewittchen hätte ihn verschmäht

– und hätte sich damit 100 Jahre Schlaf erspart.
Der Holzapfel.
Für mich schon seit Kindertagen die hübscheste Verkörperung der Eifel.
(Diese kleinen ziemlich sauren und etwas holzigen Äpfel gibt es seit der Jungsteinzeit- sagt Wiki- ob die damals damit aber schon Viez gebraut haben ist nicht bekannt.)
Einfach mal probieren: Viez und natürlich den Holzappel.

Zehnter Tag: Entlang des Olkbaches und weiter zur Burg Ramstein

Entlang der wieder friedlich dahinfließenden Sauer wanderten wir heute früh zur Ralinger Mühle und von dort entlang des Olkbaches hinauf nach Olk. Etwas befremdlich wirkt dieser friedliche Anblick auf uns, angesichts der durch die Sauer angerichteten Verwüstung in Ralingen, die wir wenige Minuten zuvor sahen.

Der Olkbach in der Nähe der Ralinger Mühle. Vermutlich immer noch etwas wilder als gewöhnlich.

Der Olkbach fließt über zahlreiche kleine und große Stufen der Sauer entgegen

Der im Naturpark Südeifel verlaufende Bach besticht durch seine Unberührtheit

Eine der vielen Stufen, über die der Bach fällt

Der 2 km lange Aufstieg ist geschafft. Eine Hochebene mit weit offener Landschaft bietet sich uns dar

Eifel pur!!!

Pause im Schatten

Über den Römerpfad ging es hinter Butzweiler zu unserem heutigen Ziel

Wisst Ihr, was die Trierer Porta Nigra, der Kölner Dom und der Berliner Reichstag gemeinsam haben? Die Bausteine stammen aus derselben Gegend bei Butzweiler nahe Trier. „Pützlöcher“ nennt der Volksmund einen römischen Steinbruch, in dem die großen Quader zum Bau der Porta Nigra aus dem Felsen geschlagen wurden. Vorher wurde hier Kupfererz gefördert.

Die ‘Pützlöcher’ bei Butzweiler

Ein erster Blick auf unser heutiges Ziel: Die Burg Ramstein

Unsere heutge Unterkunft, die wir fast für uns allein haben, da alle Reservierungen für die nächsten Wochen storniert wurden. Kordel, oberhalb dessen die Burg liegt, ist vom Hochwasser schwer getroffen. Ein herber Verlust für die Inhaberin Frau Moll!

Der tolle Blick auf die Burg vom kleinen Balkon unseres Zimmers ist Angesichts der Situation doch getrübt