Meine Erwartungen und die Vorfreude auf die Tour durch die Südeifel waren hoch. Zum Einen ist da die Erinnerung an unsere Deutschlandtour, auf der wir viel erlebten und wunderbare Landschaften, interessante Menschen und einige tolle Projekte kennenlernten. Auch hatten wir da herrlichstes Wanderwetter, welches mein Naturerlebnis auf dieser Tour strahlend und intensiv in meine Erinnerung brannte. Zum Anderen kannte ich die Südeifel kaum und hatte die Routen so geplant, dass wir alle Flüsse und Flüsschen – wie die Kleine Kyll, die Kyll, die Prüm, die Salm, die Sauer – erwandern konnten und große Teile der Strecke durch Flußtäler führten.
Aber es kam anders. Die Wetterprognosen waren schlecht, die ersten Tage wanderten wir duch Starkregen, der uns trotz Regenkleidung bis auf die Haut durchnässte und da wir keine Unterstände fanden, manche Etappen vorzeitig beenden mussten. Das Smartphone mit der Viewranger-App war kaum bedienbar, so dass auch die Routenverfolgung oft sehr schwierig war.
Dann kam die Flutkatastrophe, deren noch verhältnismäßig harmlose Ausprägung wir in Kyllburg erlebten, wo wir eine Zwangspause einlegen mussten, da es kein Fortkommen gab. Infolge der Flut wurden mehrere Unterkünfte abgesagt, das hieß, ich musste die Routen umplanen. Es war alles in allem schwierig und wir überlegten, ob wir die Tour trotz der Bilder, die wir aus anderen Regionen wie der Ahr sahen, weitergehen sollen. Wir entschieden uns dafür.
Letztendlich haben wir diese Schwierigkeiten gemeistert. Der Zeitplan wurde angepasst, die Routen verlegt, wurden die Strecken zu lang, fanden wir immer freundliche Helfer, die uns für ein paar Kilometer einen ‘Lift’ gaben. Diese schönen Momente – ein Kindergarten-Busfahrer nahm uns tropfnass in Seinsfeld auf und fuhr uns, nachdem er die letzten Kinder abgesetzt hatte nach Kyllburg – werden mir immer in Erinnerung bleiben.
Und die schönen Wanderstrecken, die wir ohne Umlegung nie gesehen hätten, entschädigten uns dafür, dass z. B. die Teufelsschlucht gesperrt war. Das Wetter wurde besser, zwischen Bitburg und Ralingen entdeckten wir eine Heidelandschaft, hatten wunderschöne Blicke in die Eifellandschaft, wanderten durch Dörfer, in denen nichts vom Hochwasser zu sehen war. Wir machten Pausen, wenn wegen der Absage einer Unterkunft ein Tag zu überbrücken war. Änderten Zielorte, wenn es nötig war. nach drei, vier Etappen stellte sich eine Quasi-Normalität ein – trotz aller Hiobsbotschaften über die Tragödien die sich im Ahrtal ereigneten.
Wenn ich mir jetzt im Nachhinein die Fotos der einzelnen Etappen ansehe, hat es sich für mich gelohnt, die Tour – trotz der Beklemmung angesichts der Flutschäden – fortzusetzen. Die Lage hatte sich wettermäßig beruhigt, die Pegel sanken, so dass wir den einen oder anderen Uferweg gehen und durch das enge und wunderschöne Bachtal des Olkbaches aufsteigen konnten. Die Zwangspausen nutzten wir, die Kleinode in den Dörfen zu finden und anzusehen. Kurzum, wir genossen das, was wir sahen und erlebten uneingeschränkt. Und ich genoss es auch ohne schlechtes Gewissen angesichts der Katastrophe!
Diese Wanderung war anders. Anders als geplant und auch beeinflusst vom Gefühl, dass die Natur den Menschen nicht nur Schönheit, Freude und Enspannung bietet, sondern auch unendliches Leid über die Menschen bringen kann. Letztendlich hat mir diese Wanderung die Natur in der Eifel mit all ihren Facetten – den schönen guten und den tragischen schlechten – näher gebracht. Dafür bin ich dankbar. Und das Gefühl wird das Bleibende unserer Sommerwanderung 2021 sein.