Alle Artikel von MonikaUndHerbert

Nachtrag

Heute wurde ich gefragt, warum wir die Wanderung durch die Katastrophe nicht abgebrochen haben- Touries durchs Elend – oder so.
Ich hab nicht eine Sekunde daran gedacht. [ und ich auch nicht, Herbert]. Wir waren auf dem Weg, haben neue Wege gefunden (mein ZWF) finden müssen. Also geht man/frau doch etwas vorsichtiger und sowieso respektvoll. Lässt Kohle da – die wird gebraucht.

Anteilnahme: is mir zu peinlich die zu betonen – bin doch kein Politiker oder Pfaffe. Aber Solidarität: Wir kommen wieder.

Herberts Fazit

Meine Erwartungen und die Vorfreude auf die Tour durch die Südeifel waren hoch. Zum Einen ist da die Erinnerung an unsere Deutschlandtour, auf der wir viel erlebten und wunderbare Landschaften, interessante Menschen und einige tolle Projekte kennenlernten. Auch hatten wir da herrlichstes Wanderwetter, welches mein Naturerlebnis auf dieser Tour strahlend und intensiv in meine Erinnerung brannte. Zum Anderen kannte ich die Südeifel kaum und hatte die Routen so geplant, dass wir alle Flüsse und Flüsschen – wie die Kleine Kyll, die Kyll, die Prüm, die Salm, die Sauer – erwandern konnten und große Teile der Strecke durch Flußtäler führten.

Aber es kam anders. Die Wetterprognosen waren schlecht, die ersten Tage wanderten wir duch Starkregen, der uns trotz Regenkleidung bis auf die Haut durchnässte und da wir keine Unterstände fanden, manche Etappen vorzeitig beenden mussten. Das Smartphone mit der Viewranger-App war kaum bedienbar, so dass auch die Routenverfolgung oft sehr schwierig war.

Dann kam die Flutkatastrophe, deren noch verhältnismäßig harmlose Ausprägung wir in Kyllburg erlebten, wo wir eine Zwangspause einlegen mussten, da es kein Fortkommen gab. Infolge der Flut wurden mehrere Unterkünfte abgesagt, das hieß, ich musste die Routen umplanen. Es war alles in allem schwierig und wir überlegten, ob wir die Tour trotz der Bilder, die wir aus anderen Regionen wie der Ahr sahen, weitergehen sollen. Wir entschieden uns dafür.

Letztendlich haben wir diese Schwierigkeiten gemeistert. Der Zeitplan wurde angepasst, die Routen verlegt, wurden die Strecken zu lang, fanden wir immer freundliche Helfer, die uns für ein paar Kilometer einen ‘Lift’ gaben. Diese schönen Momente – ein Kindergarten-Busfahrer nahm uns tropfnass in Seinsfeld auf und fuhr uns, nachdem er die letzten Kinder abgesetzt hatte nach Kyllburg – werden mir immer in Erinnerung bleiben.

Und die schönen Wanderstrecken, die wir ohne Umlegung nie gesehen hätten, entschädigten uns dafür, dass z. B. die Teufelsschlucht gesperrt war. Das Wetter wurde besser, zwischen Bitburg und Ralingen entdeckten wir eine Heidelandschaft, hatten wunderschöne Blicke in die Eifellandschaft, wanderten durch Dörfer, in denen nichts vom Hochwasser zu sehen war. Wir machten Pausen, wenn wegen der Absage einer Unterkunft ein Tag zu überbrücken war. Änderten Zielorte, wenn es nötig war. nach drei, vier Etappen stellte sich eine Quasi-Normalität ein – trotz aller Hiobsbotschaften über die Tragödien die sich im Ahrtal ereigneten.

Wenn ich mir jetzt im Nachhinein die Fotos der einzelnen Etappen ansehe, hat es sich für mich gelohnt, die Tour – trotz der Beklemmung angesichts der Flutschäden – fortzusetzen. Die Lage hatte sich wettermäßig beruhigt, die Pegel sanken, so dass wir den einen oder anderen Uferweg gehen und durch das enge und wunderschöne Bachtal des Olkbaches aufsteigen konnten. Die Zwangspausen nutzten wir, die Kleinode in den Dörfen zu finden und anzusehen. Kurzum, wir genossen das, was wir sahen und erlebten uneingeschränkt. Und ich genoss es auch ohne schlechtes Gewissen angesichts der Katastrophe!

Diese Wanderung war anders. Anders als geplant und auch beeinflusst vom Gefühl, dass die Natur den Menschen nicht nur Schönheit, Freude und Enspannung bietet, sondern auch unendliches Leid über die Menschen bringen kann. Letztendlich hat mir diese Wanderung die Natur in der Eifel mit all ihren Facetten – den schönen guten und den tragischen schlechten – näher gebracht. Dafür bin ich dankbar. Und das Gefühl wird das Bleibende unserer Sommerwanderung 2021 sein.

Monis Resümee

Hab mir gerade nochmal alle Tage unsrer Wanderung angesehen und mir so die schönen Seiten dieser Tour ins Gedächtnis gerufen.

Was bleibt sind die Etappen mit unvergleichlich schöner Landschaft (Naturpark Südeifel), die uns immer wieder umgebende Stille der Wälder und Felder (eine Wohltat für Neuköllnerinnen), der Duft von frisch gemähtem Gras, die Freude über neu entdeckte Tierchen (Kaisermantel), unsere Päuschen nach anstrengender Kletterei, unser Teamgeist, der uns immer wieder neue Erfahrungen bescherte und last, but… die freundlichen Eingeborenen, die uns aus manch blöder Situation unbürokratisch heraus halfen.

Stichwort “Nachbarschaftshilfe in Rhlpf” – und da bin ich auch schon bei den Erinnerungen, auf die wir alle gern verzichtet hätten: Wer einmal durch verwüstetes Land gegangen ist, weiß, was ich meine. Der Anblick einer weinenden Frau am Straßenrand, neben den Trümmern ihrer Habe ist schwerer zu ertragen als weggerissene Brücken und überflutete Felder. Entsprechend schwierig eine angemessene Haltung dazu zu finden.

Das persönliche Glück steht angesichts des unmittelbar umgebenden Unglücks Anderer doch immer in einem schiefen Verhältnis.

Es fiel uns nicht so leicht in Altrich einen vorgezogenen Schlusspunkt zu setzen, aber weiter durch neu einsetzenden Starkregen und Gewitter zu laufen und dabei auch unsre physische Gesundheit aufs Spiel zu setzen war einfach keine Option mehr.

Diese Wanderung hat uns Grenzen aufgezeigt, kein Grund zum Jammern – wir hatten sehr, sehr viel Glück – und als Paar gehen wir gestärkt (durch dick und dünn) daraus hervor.

Einige Begegnungen

3 Rehe 1 Fuchs 2 Waldspitzmäuse (leider tot) 2 wilde Ziegen, Eichhörnchen, jede Menge Nackt- und Weinbergschnecken noch mehr Würmchen (halb, viertel und ganz)
Wildkatzen (Spuren) einige Milane

und Falken Zilpzalps (gut am außergewöhnlich melodischen Gesang zu erkennen. Ironie aus) Schwalben und eine Schwälbchen Flugschule
süße Mausohrfledermäuse eine weniger süße Zecke Libellen, gemeine Stechmücken

und blöde Fliegen 1 Amselei 1 Eichelhäher (unter Schock- war gegen ne Scheibe geflogen) Wildenten fliegend und watschelnd Schwäne thronend aufm Hochwasser einige freche und doch scheue Spatzengangs 2 Forellen (geräuchert aufm Teller) Bläulinge Kohlweißlinge Admiräle Pfauenaugen und- achtung jetzt kommtz: Kaisermäntel leider auch Kellerasseln zu Hauf eine Mistkäferversammlung
schreiende Uhus und kauzende Käuzchen und keine Spinnen, Iris.

Dreizehnter Tag: Die Vernunft siegt 🤔🙄😢😁

Wir werden verwöhnt. Anita und Toni fahren mit uns zum Einkaufen in Salmrohr und dann bei den zunehmenden Wassern von oben in unsre letzte Unterkunft auf dieser Reise in Altrich.
Unser Dank wird Euch ewig gewiss sein. (Und nicht nur dafür.)

Machen erstmal Päuschen mit Herberts unvergleichlichem Tee.
Es regnet. Wie gut im Trockenen zu sein. Ich kann kein’ Regen mehr sehn. Später, bei ner Stunde vorsichtiger Sonne gehen wir noch durchs Dorf zur Kirche. Kerzchen anzünden.

Dorf ist sehr schön. Ich möchte hier nicht tot am Zaun hängen.
Aber die freilaufenden Hühner hinterm Haus – vor unsrer Nase – sind allerliebst in ihrer behäbigen Gluckigkeit. Schöne, ruhige Abendstimmung mit Nieselregen.

Und der Clou ist, dass Hans uns morgen hier abholt und bis vor die Haustür bringt. Morgen oder übermorgen gibts noch n Resumee von uns beiden und dann is gut.
Bis denne.
Die zwei Wandervögel.

St. Andreas in Altrich

Das Innere von St. Anderas in Altrich

Freilaufende Hühner in Altrich. Eine Seltenheit auf unserer Tour – und auch das letzte Foto

Zwölfter Tag: Abschied von unsrer absoluten Lieblingsunterkunft.

Im August 2018 auf dem Eifelsteig kamen wir zum ersten mal in den Genuss dieser wunderbaren Ferienwohnung in Gladbach.

Ebenerdig gelegen (ein erfreuliches Zuckerl für müde Wanderbeine), geräumig und mit allem und mehr Komfort ausgestattet – als z. B. bei mir zu Hause – hatten wir von Anfang an das gute Gefühl, eher bei Freunden als bei Fremden zu logieren. Das lag natürlich an den herzlichen und unkomplizierten Gastgebern Anita und Toni, mit denen wir uns auf Anhieb so gut verstanden.

Gern wären wir länger geblieben, aber die nächste Etappe nach Kordel rief.

Im August 2019 dann auf unsrer (privaten) Säubrennerroute (44km) kam uns Anita mit dem Auto in Bruch abholen und ersparte uns grässliche, zusätzliche Regenkilometer. Da ließen wir doch gern ein paar Tage Füße und Seele baumeln und wurden obendrein von den Beiden – nicht nur – im kuschligen Wintergarten verwöhnt.

Dieses mal waren wir, angesichts der Katastrophe, besonders froh wieder unser ruhiges Refugium zu beziehen. Toni fand uns auch gleich ca. 5 min nach Ankunft ziemlich erschöpft (Rucksack ablegen, Schuhe aus) auf der geliebten Bank vorm Haus sitzend, und nochmal 3 min später stießen wir vier mit eiskalten Stubbis an.

Was für ein Empfang!
Zum letzten mal für uns.

Anita und Toni wollen etwas “ruhiger treten” und haben das Haus – mitsamt der Ferienwohnung – verkauft. Wir zwei Rentner können sie gut verstehen und wünschen ihnen, allerdings ein klein bißchen wehmütig, einen gelingenden Neustart, nicht zuviel, aber auch nicht zuwenig zu tun zu haben und natürlich Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit.

Elfter Tag: Kordel – Kordel – und wieder Kordel

Von der Burg Ramstein hinunter nach Kordel – wir sind auf einiges gefasst, hatten wir ja schon im Burghotel gehört, wie schwer die Flut auch Kordel getroffen hatte. Der Ort wirkte schon wieder aufgeräumt, die geöffneten Fenster zu leergeräumten Wohnungen in den Erdgeschossen der Häuser zeigen uns, wie sehr die Anwohner gelitten haben.

Vom Oberdorf gehen wir auf den Eifelsteig. Die Etappe von Kordel nach Bruch ist als “Schwer” gekennzeichnet. Vor allem wegen der Länge. Wir gehen nur nach Gladbach, haben – geplant – 22km vor uns.

Buntsandsteinfelsen der Kaulay hoch über Kordel

Gleich der erste Anstieg von Kordel auf die Kaulay, eine Felsformation aus Buntsandstein, hat es in sich. Auf 2 km ein Anstieg um mehr als 150 Hm. Sehr schön, wie die Bilder zeigen, aber auch seeehr strapaziös. Hier ist absolute Trittsicherheit gefordert, schwere Rucksäcke helfen nicht, das Gleichgewicht zu halten.

Blick von der Kaulay auf Kordel

Hinter der Kaulay ins Kylltal geht es nicht weiter. Ein steiler Abstieg ist völlig zugewuchert. Brombeerranken lassen nicht zu, zu sehen, wohin wir treten. Also über einen Forstweg ausweichen…. der uns zurück nach Kordel bringt. Nach 2 Sunden Kletterei und ca 2,8 km Strecke sind wir wieder am Ausgangspunkt.

Wir entscheiden, auf dem Kyllradweg weiter zur Deimelinger Mühle zu gehen, um dort wieder auf den Eifelsteig zu treffen. An der Mühle sehen wir die eingestürzte Brücke über die Kyll. Also zurück nach Kordel, die Brücke in Kordel steht, das sahen wir schon. Um 14 Uhr in Kordel haben wir 10 km hinter uns gebracht und sind dem Ziel Gladbach keinen Meter näher gekommen.

Buntsandsteinwand an der Kyll

Von der Flut zerstörte Brücke an der Deimlingenmühle

Wir werden die Strecke nicht mehr schaffen. In Kordel besorgt Moni uns einen “Lift” nach Zemmer, von da sind es über Greverath noch rund 12 km bis Gladbach.

Steinesseberchen

Auf dem Weg nach Greverath

Bei Greverath

In Gladbach, unserem Zielort für heute

Zehnter Tag: Entlang des Olkbaches und weiter zur Burg Ramstein

Entlang der wieder friedlich dahinfließenden Sauer wanderten wir heute früh zur Ralinger Mühle und von dort entlang des Olkbaches hinauf nach Olk. Etwas befremdlich wirkt dieser friedliche Anblick auf uns, angesichts der durch die Sauer angerichteten Verwüstung in Ralingen, die wir wenige Minuten zuvor sahen.

Der Olkbach in der Nähe der Ralinger Mühle. Vermutlich immer noch etwas wilder als gewöhnlich.

Der Olkbach fließt über zahlreiche kleine und große Stufen der Sauer entgegen

Der im Naturpark Südeifel verlaufende Bach besticht durch seine Unberührtheit

Eine der vielen Stufen, über die der Bach fällt

Der 2 km lange Aufstieg ist geschafft. Eine Hochebene mit weit offener Landschaft bietet sich uns dar

Eifel pur!!!

Pause im Schatten

Über den Römerpfad ging es hinter Butzweiler zu unserem heutigen Ziel

Wisst Ihr, was die Trierer Porta Nigra, der Kölner Dom und der Berliner Reichstag gemeinsam haben? Die Bausteine stammen aus derselben Gegend bei Butzweiler nahe Trier. „Pützlöcher“ nennt der Volksmund einen römischen Steinbruch, in dem die großen Quader zum Bau der Porta Nigra aus dem Felsen geschlagen wurden. Vorher wurde hier Kupfererz gefördert.

Die ‘Pützlöcher’ bei Butzweiler

Ein erster Blick auf unser heutiges Ziel: Die Burg Ramstein

Unsere heutge Unterkunft, die wir fast für uns allein haben, da alle Reservierungen für die nächsten Wochen storniert wurden. Kordel, oberhalb dessen die Burg liegt, ist vom Hochwasser schwer getroffen. Ein herber Verlust für die Inhaberin Frau Moll!

Der tolle Blick auf die Burg vom kleinen Balkon unseres Zimmers ist Angesichts der Situation doch getrübt

Neunter Tag: Schneewittchen hätte ihn verschmäht…

Unsere Planung ist seit der Flutkatastrophe gehörig durcheinander gewirbelt – ein Nichts hinsichtlich der vielen Opfer und der unzähligen Existenzen, die zerstört wurden.

Dennoch beschäftigen wir uns täglich damit, wie es weitergehen kann. Abbrechen wollen wir nicht – obwohl auch diese Option im Raum stand. Für uns heißt das: Improvisieren und von Tag zu Tag denken. Heute verbringen wir den Tag in Ralingen unmittelbar an der luxemburgischen Grenze und schauen uns in Rosport (Luxemburg) um.

Wer sich über den Beitragstitel wundert: Lest weiter unten, was Moni schreibt…

Rettungsmittel im Park von Rosport (Luxemburg) an der Sauer

Blick von Rosport (Luxemburg) auf unser Hotel in Ralingen

Brücke über die Sauer mit der ehemaligen deutschen Zollstation

Moni läßt es sich gutgehen im Tudor-Park in Rosport

In Schloss Tudor in Rosport, der ehemaligen Residenz von Henri Owen Tudor, dem Erfinder der Bleiakkumulatoren, ist heute ein interaktives Museum untergebracht

Holzäpfel bereit für den Viez

Moni meint: Schneewittchen hätte ihn verschmäht

– und hätte sich damit 100 Jahre Schlaf erspart.
Der Holzapfel.
Für mich schon seit Kindertagen die hübscheste Verkörperung der Eifel.
(Diese kleinen ziemlich sauren und etwas holzigen Äpfel gibt es seit der Jungsteinzeit- sagt Wiki- ob die damals damit aber schon Viez gebraut haben ist nicht bekannt.)
Einfach mal probieren: Viez und natürlich den Holzappel.